Zwischen rotem Teppich und Regenwald

Umweltschutz ist längst auch in Hollywood angekommen. Während sich manche jedoch lediglich zu PR-Zwecken als Umweltaktivisten präsentieren, setzen sich andere seit Jahren gegen den Klimawandel oder für den Tierschutz ein. Doch was können sie tatsächlich erreichen?

Schauspielerin Julia Roberts heizt ihr Haus mit Solarenergie und kauft nur noch bio. Filmemacher Steven Spielberg und Darstellerin Cameron Diaz fahren Elektroautos. Genau wie Hotelerbin Paris Hilton, die auch mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Global Warming – that’s not hot“ („Globale Erwärmung – das ist nicht heiß“) gesehen worden sein soll. Doch macht sie das zur Umweltaktivistin?

In vielen Fällen scheint es, als wollten Hollywoods Lieblinge nicht zwingend etwas verändern, sondern bloß in der Gunst der Medien steigen. Keine Frage, es ist löblich, dass Schauspielerin und Sängerin Selena Gomez einen besseren Schutz der Frösche gefordert oder dass Aktrice Liz Hurley einen Biobauernhof betrieben hat. Doch welche Anstrengung ist es, eine Videobotschaft mit Kermit dem Frosch aufzunehmen? Und wo bleibt der Aktivismus, wenn der Biobauernhof gewinnbringend verkauft wird, weil der (mittlerweile Ex-)Gatte das Landleben satt hat?

Andere Stars beweisen da mehr Durchhaltevermögen. Robert Redford etwa, der sich seit vielen Jahren für Mutter Natur einsetzt. In einem Spot warb er für Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen. Nicolas Cage unterstützt seit Jahren eine Kampagne zum Schutz der pazifischen Küs­ten und erhielt wegen seines herausragenden Einsatzes im humanitären Bereich den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2016.

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Umweltaktivist Robert Redford (links) sprach mit dem Stammesführer eines Volkes aus Papua-Neuguinea, bevor er an einer Klimakonferenz der Organisation UNESCO in Paris teilnahm.

George Clooney spricht mit Angela Merkel
Ihre Berühmtheit öffnet Hollywood-Größen mehr Türen als anderen. Sie können dank einer größeren Reichweite die Bevölkerung – vor allem auch Jüngere – auf bestimmte Themen aufmerksam machen. Selena Gomez etwa folgen mehr als 100 Millionen überwiegend junge Fans bei Instagram, mit denen sie unter anderem Bilder von ihrem Besuch in Nepal teilte, wo sie als Botschafterin des Kinderhilfswerks UNICEF auftrat. George Clooney traf sich Anfang 2016 mit Angela Merkel, die er für ihre Flüchtlingspolitik lobte. Auch wenn über den Inhalt des Gesprächs nicht viel bekannt ist: Clooney engagiert sich seit Jahren für Menschenrechte, etwa im Sudan, sowie für den Klimaschutz und für die Förderung klimaverträglicher Technologien.

Stars wie er erregen Aufmerksamkeit. Das wissen auch Politiker und ihre Berater. Warum sonst stimmte der neue US-Präsident Donald Trump nach seiner Amtseinführung einem Treffen mit Schauspieler Leonardo DiCaprio zu, der ihn im Wahlkampf noch massiv kritisiert hatte? Wer nicht an den Klimawandel glaube, dürfe kein öffentliches Amt bekleiden, hatte DiCaprio gesagt und damit Trump gemeint, der bezweifelt, dass die globale Erwärmung real ist.

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George Clooney, hier mit Ehefrau und Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, ist für sein soziales Engagement bekannt. Bei einem Besuch im Bundeskanzleramt im Jahr 2016 lobte er Angela Merkel für ihre Flüchtlingspolitik.

Umweltaktivist in der Kritik
Der „Titanic“-Star kämpft seit Jahren für den Umweltschutz. Mit seiner „Leonardo DiCaprio Foundation“ will er unter anderem Ozeane und Regenwälder schützen. Zudem setzt er sich für erneuerbare Energien und sauberes Trinkwasser für Menschen in Afrika ein. Er hat mehrere Millionen Dollar für Umweltaktivitäten gespendet, unter anderem für den Schutz bedrohter Tiger in Nepal. DiCaprio gilt als Vorbild für eine „grüne“ Lebensweise. Dabei stand er 2016 selbst als Umweltsünder in der Kritik, etwa als er mit einem Privatjet von Frankreich in die USA und gleich wieder zurück flog. Wegen der Ausflüge mit Jet und Yacht innerhalb eines halben Jahres soll er 22 Mal mehr CO2 verursacht haben als ein durchschnittlicher US-Bürger in einem ganzen Jahr. Sicher, er reist auch für den guten Zweck durch die Welt. Doch würde es nicht auch ein Linienflug erster Klasse tun?

Engagement auf verschiedenen Ebenen
Sofern sich Hollywood-Stars nicht nur zum Schein als Umweltaktivisten rühmen, hat es etwas Gutes, dass sie die Öffentlichkeit nutzen, um Missstände aufzuzeigen. Wenn sie etwa wie Schauspieler Orlando Bloom, der mit einer Umweltorganisation an Bord eines Schiffes in die Antarktis fuhr, auf Schäden durch die Erderwärmung hinweisen. Wenn sie wie Daryl Hannah regelmäßig für den Umweltschutz protestieren und über ökologischen Lebensstil bloggen.

Hollywood-Größen beherrschen die Schlagzeilen und können dazu beitragen, dass Themen, die uns alle angehen, mehr Beachtung finden. Gerade, wenn es um Umweltschutz geht, kann ehrliches Engagement von bekannten Musikern, Schauspielern oder Regisseuren den Stein ins Rollen bringen. Und das dient letztlich Mutter Natur.