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Farbenprächtig – Heißwäsche für Plastikschnipsel

Mit Systalen werden immer neue Farben und Qualitäten möglich.

Das Recycling von gebrauchten Kunststoffverpackungen aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne hat in den vergangenen Jahren einen weiteren deutlichen Fortschritt
gemacht – auch dank Systalen, den Kunststoff-Rezyklaten des Grünen Punkts, die im Kunststoff-Technikum der Unternehmensgruppe in Köln entwickelt werden. Hier ist auch ein neuartiges Verfahren für ein Granulat entstanden, aus dem sich Verpackungen für den privaten Endverbraucher herstellen lassen.

Der Extruder arbeitet mit tiefem Brummen und sorgt für eine hohe Raumtemperatur. Sascha Frings befüllt die Maschine über einen Trichter mit kleinen Plastikschnipseln und überprüft die Temperatur. Der Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuk gehört neben Philipp Neumann, staatlich geprüftem Techniker für Kunststoff und Kautschuk, und Chemieingenieurin Dr. Ines Schwarz zum Team des Technikums in Köln, das im Labor Rezepte für Polypropylen- und Polyethylengranulat kreiert. Während Frings den Extruder überwacht, schmelzen zwei beheizte Schnecken im Inneren der Maschine die Plastikschnipsel und homogenisieren die plastifizierte Masse. Sascha Frings gibt den Ton Blaugrau in den Extruder. Die Schmelze wird im hinteren Teil der Maschine mikrofiltriert, als Stränge durch Öffnungen gedrückt und unter Wasser gekühlt, bevor der Granulator mit einem rotierenden Messer die Stränge zu kleinen Plastikkörnern, den Regranulaten, schneidet. Der Grüne Punkt vermarktet die Produkte – Regranulate oder auch Mahlgüter – unter dem Markennamen Systalen.

Transluzentes und geruchsfreies MaterialDSD_Systalen_HDPE_Granulat_natur_hw_dekon_006
Der Rohstoff dafür kommt aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne. Die darin gesammelten Leichtverpackungen aus Metall und Kunststoffen werden zunächst in speziellen Anlagen sortiert. Die sortierten Kunststoffe schreddert und wäscht der Grüne Punkt in seinen Recyclinganlagen und sortiert sie anschließend mithilfe von Kameras, die jedes einzelne Plastikschnipsel erfassen, nach Farben. Wäsche und Farbsortierung sind entscheidend für die Qualität der Regranulate. „Heiß gewaschen werden Plastikteile, um Gerüche
zu entfernen“, erklärt Dr. Ines Schwarz, Leiterin der Produktentwicklung im Technikum. Denn lange konnte Plastik aufgrund von Gerüchen, aber auch wegen der sehr begrenzten Farbgestaltung nicht im Endverbrauchersegment wiederverwendet werden. Bis vor kurzem war nur die Herstellung neuer Verkaufsverpackungen aus Polyethylenterephthalat (PET), also vor allem aus Getränkeflaschen, möglich. Nun lassen sich auch Flaschen und andere Behältnisse aus hochwertigem, lichtdurchlässigem und geruchsfreiem Polyethylen hoher Dichte (HDPE) aus Systalen produzieren.

Neues Granulat, neue Farben
Die Heißwäsche entfernt unerwünschte Gerüche und Verschmutzungen, die die Qualität beeinträchtigen. Durch die Zugabe von Farbe, Stabilisatoren oder anderen Zusatzstoffen
bekommt das HDPE-Systalen im weiteren Verarbeitungsprozess unterschiedliche Eigenschaften: beispielsweise eine höhere Dichte für stabile Behälter oder auch eine spezielle Farbmischung – passend zur Farbwelt des Unternehmens und seiner Produkte. So hat das Technikumsteam in den vergangenen Monaten zusätzlich neue Farben entwickelt: Hellgelb, Lila, Dunkelblau, Gold und Orange.

Grüner Punkt arbeitet an großtechnischer Umsetzung
Erste große Hersteller nutzen das HDPE-Systalen bereits für Flaschen, die mit Wasch- oder Reinigungsmitteln befüllt werden. Die neue Entwicklung ist für den Grünen Punkt ein zukunftsweisender Schritt und war für den Deutschen Rohstoff-Effizienzpreis 2016 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie nominiert, der im Februar 2017 verliehen wurde. Noch befindet sich das Projekt in der Testphase. Der Grüne Punkt plant jedoch eine größere Anlage, die 8.500 Tonnen Granulat im Jahr produzieren kann. In einem nächsten Schritt ist dann eine großtechnische Umsetzung mit bis zu 30.000 Tonnen HDPE-Systalen jährlich denkbar.

Vom Mahlgut zur neuen Flasche: Den Weg dafür bereitet das Technikum

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1. Mit dem Spritzgussautomaten stellen Sascha Frings und seine Kollegen Probekörper aus den Regranulaten her, um Farb- und Oberflächeneigenschaften beurteilen zu können.
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2. Mit dem Extruder werden Probemengen erstellt, die Kunden mit ihren Maschinen testen können.
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3. Das Team im Technikum untersucht verschiedene physikalische und chemische Eigenschaften der Regranulate, zum Beispiel die Fließfähigkeit der Schmelze.
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4. Im Technikum des Grünen Punkts kommt modernste Analysetechnik zum Einsatz.