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Hope on the water

Jede Minute wird eine Lastwagenladung Müll in die Ozeane geschwemmt. Ursachen sind vor allem gedankenloser Umgang mit Abfall, Defizite bei der Abfallwirtschaft und mangelndes Recycling. Unzählige Initiativen wollen den Lebensraum Meer schützen – wir stellen drei davon vor.

Einen Tag am Wasser, den lieben alle. Doch hinterlassen wir oft unvergängliche Spuren. An unseren Stränden liegen längst nicht mehr nur Sand und Muscheln. Am Coastal Cleanup Day sammeln Freiwillige den Zivilisationsmüll wieder ein. Bei der weltweit größten Freiwilligenaktion treffen sich Tausende an einem Samstag im September und finden neben Zigarettenkippen und Plastikflaschen auch Kurioses: Toilettensitze, Handys, Zahnbürsten oder gar Fernseher.

Der Coastal Cleanup Day wurde 1986 von der US-Umweltorganisation Ocean Conservancy ins Leben gerufen. An deutschen Stränden wird er vom NABU – Naturschutzbund Deutschland e. V. – organisiert. 2016 nahmen in 122 Ländern über 800.000 Menschen teil. Sie sammelten an Meeren, Flüssen und Seen gemeinsam knapp 8.200 Tonnen Abfälle.

Schooling-Fish-El-Torro-Marine-Reserve-(c)KipEvans-for-Mission-BlueAG4V5547Das blaue Herz der Erde
Angesichts der großen Mengen Plastikmüll fragt man sich dennoch, ob noch Hoffnung besteht, unsere Wasserwelt zu erhalten. Ein Lichtblick ist das Projekt „Hope Spots“, das besondere Regionen auszeichnet. Dahinter steht die Organisation Mission Blue, gegründet von der inzwischen 82-jährigen Sylvia Earle. Die Meeresbiologin verbrachte selbst über 7.000 Stunden unter Wasser und sieht, wie angegriffen dieses fragile Ökosystem bereits ist. „Ohne Ozeane gibt es kein Leben“, macht sie deutlich.

Der symbolische Preis soll Küsten- und Inselbewohner anspornen, ihre Umwelt besser zu schützen. Auch die Verwaltung soll verstehen, wie gefährdet das blaue Herz der Erde ist. Hope Spots können bestehende Schutzgebiete sein, die mehr Unterstützung brauchen, ebenso wie Lebensräume von bedrohten Arten oder Laichgründe. Zuletzt wurden Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera ausgezeichnet – als erste Inselgruppe im Mittelmeer. Die vier Inseln sind enorm wichtig für die Gesundheit des marinen Lebens und deshalb besonders schützenswert. Bis 2020 sollen 20 Prozent aller Ozeane geschützt werden. Unterstützt wird Mission Blue von etwa 150 Organisationen und Unternehmen.

IMG_0030Gestresstes Ökosystem
Wie gefährdet unsere Ozeane sind, hat kürzlich die erste UN-Meereskonferenz gezeigt: 2050 könnte mehr Plastik als Fisch im Wasser schwimmen. Klare Zahlen und Fakten präsentiert der „Meeresatlas 2017“, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Kieler Forschungsverbund Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ und der Monatszeitung Le Monde Diplomatique. Giftmüll, Überfischung, Mikroplastik, Tiefseebergbau – in zahlreichen Beiträgen und über 50 Grafiken zeigt der Atlas, wie es den Weltmeeren geht und was getan werden muss, um sie zu retten. Die Herausgeber fordern ein Umdenken und ein internationales Kontroll- und Schutzsystem. Der kostenlose Atlas kann bestellt werden unter: meeresatlas.org

Beim Schutz der Meere ist jeder gefragt und zum Mitmachen aufgerufen. Dabei kann nicht nur das Säubern der Strände helfen. Wichtig für die Gesundheit der Ozeane ist, Abfall zu vermeiden oder dafür zu sorgen, dass er nicht einfach in die Umwelt gelangt. Jede Plastikverpackung zählt, die im Gelben Sack landet, und jede Pfandflasche, die zurückgebracht wird.

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Woher kommt all der Plastikmüll? Zu sehen sind die Top-20-Länder mit dem schlechtesten Plastikabfall-Management. Weltweit werden 31,9 Millionen Tonnen Plastikmüll jährlich unsachgemäß entsorgt – 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen davon landen im Meer. Wie bedroht unsere Ozeane sind, erklärt der kostenlose Meeresatlas in über 50 Grafiken wie dieser.