Unser gemeinsames Ziel ist es, die Recyclingquote zu erhöhen

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Franz-Olaf Kallerhoff ist Vorsitzender der Geschäftsführung Procter & Gamble Deutschland, Österreich, Schweiz sowie Vorsitzender des Lenkungsausschusses des Zentralen Wertstoff-Registers

Verpackungsrecycling: Wichtige Weichenstellungen sind erfolgt, aber es liegt noch Arbeit vor uns – speziell, was die Verfügbarkeit von hochwertigem Rezyklat in ausreichender Menge angeht.

Bis vor Kurzem gab es weitreichende Spekulationen über die Zukunft der Wertstofftonne. Heute wissen wir: Ihr Ende steht nicht bevor – ganz im Gegenteil. Mit dem Verpackungsgesetz besteht nunmehr die Chance, ein im Prinzip funktionierendes System gezielt weiterzuentwickeln. Da in den kommenden Jahren viele Entsorgungsverträge und Lieferkontrakte mit Müllverbrennungsanlagen auslaufen, wird sich der Stellenwert der Wertstofftonne nochmals erhöhen. Gleiches gilt im Übrigen mit Blick auf die Rechtssicherheit für die Kommunen.

Sicherlich: Es wäre durchaus zielführend gewesen, die Produktverantwortung über die Verpackungen hinaus auf andere Haushaltsabfälle aus Kunststoff und Metall auszuweiten. Wichtiger ist aber, dass es beim Recycling weiterhin Wettbewerb gibt. Dies ist für Handel, Hersteller und Verbraucher die beste Lösung. Nicht nur aus Kostengesichtspunkten und Umweltschutzaspekten, sondern insbesondere, weil damit neue Impulse für die Weiterentwicklung der deutschen Sortier- und Verwertungstechnik verbunden sind.

Unser gemeinsames Ziel muss es jetzt sein, an ökologischen Verbesserungen bei den Verpackungen und im Recyclingsystem zu arbeiten, um das werkstoffliche Recycling voranzutreiben. Mit der Stiftung Zentrales Wertstoffregister wurde dazu eine Struktur entwickelt, die als sehr schlanke und effiziente Konstruktion mit klarem Aufgabenprofil für transparente Kontrolle sorgen wird. Die Mannschaft wird aus rund 30 Leuten bestehen. Ich habe es an anderer Stelle bereits betont: Bürokratiemonster sehen anders aus. Vieles hat sich also in eine gute Richtung bewegt, dennoch liegt mit Blick auf die Zukunft noch viel Arbeit vor uns. Konkret stehen wir etwa vor der Herausforderung, vorhandene Wettbewerbsverzerrungen zu beseitigen. Nach wie vor gibt es Totalverweigerer und Unternehmen, die ihre Mengen künstlich klein rechnen. Zudem sind die Mengen im Bereich Papier, Pappe und Karton, u.a. durch den Online-Handel, in den letzten Jahren stark angewachsen. Mit Blick auf ökologische Aspekte werden sich alle Beteiligten – auch der Online-Handel – der Verantwortung für die Finanzierung des Systems stellen müssen.

Ein besonders wichtiger Punkt, an dem wir arbeiten müssen, ist die Verfügbarkeit von hochwertigem Rezyklat in ausreichender Menge. Zur Verdeutlichung: Allein P&G verarbeitet derzeit 29.200 Tonnen Rezyklat in seinen Kunststoffverpackungen. Und eines unserer Nachhaltigkeitsziele lautet, den Rezyklat-Anteil in unseren Kunststoffen bis 2020 gegenüber 2010 zu verdoppeln. Das Beispiel zeigt: Der Bedarf wächst – und das nicht nur bei P&G. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland eröffnen sich damit Chancen: Eine leistungsfähige Recycling-Infrastruktur, die dafür Sorge trägt, dass genügend hochwertiges Rezyklat zur Verfügung steht, kann zu einem echten Wettbewerbsfaktor werden.

Foto: Procter&Gamble