Mägen füllen – nicht Mülltonnen

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„Pay As You Feel“-Cafés sind neben den „Sharehouse“-Supermärkten das zweite große Projekt von Adam Smith. Allein in seiner Heimatstadt Leeds eröffnete er bisher acht solcher Cafés.

Adam Smith würde gern die ganze Welt ernähren. Weil dies kein leichtes Unterfangen ist, hat er mit kleinen Schritten angefangen: In seiner Heimatstadt Leeds arbeitet er daran, sozial schwache Familien mit frischen Lebensmitteln zu versorgen und Gemüse, Brot und Getränke vor dem Müll zu retten, wenn sie noch gut sind. 2016 hat er ein Geschäft für aussortierte Nahrungsmittel eröffnet.

Nudeln, Obst und Säfte stapeln sich in den Regalen des „Sharehouse Leeds“. Dieses war im vergangenen Jahr der erste Supermarkt für überschüssige oder abgelaufene Lebensmittel in Großbritannien. Eröffnet hat ihn Adam Smith. Kunden zahlen so viel, wie sie zahlen möchten – in englischen Pfund oder in Zeit. Denn Helfer braucht es viele, um die Lebensmittel abzuholen, zu sortieren und zu verkaufen.

Das „Sharehouse“ ist Teil eines größeren Projekts, das Smith im Laufe der vergangenen Jahre auf die Beine gestellt hat. Mehr als zehn Jahre hatte der Visionär als Koch gearbeitet, auch international und in der Haute Cuisine. In Australien kam der Brite in Berührung mit einer schier unglaublichen Lebensmittelverschwendung sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Gastronomie. Er wollte etwas dagegen unternehmen und ein Mann, den er auf einer australischen Farm kennenlernte, sagte ihm: „Du kannst die Welt nicht verändern, solange du keine Veränderungen in deiner Heimatstadt bewirkst.“ Dieser Satz brachte den jungen Mann zum Nachdenken.
In Großbritannien startete Smith 2013 die Initiative „The Real Junk Food Project“, die sich dafür einsetzt, dass noch gute Lebensmittel in den Mägen der Menschen landen und nicht in der Tonne. Er eröffnete ein Café, in dem er mit Zutaten kocht, die abgelaufen, aber immer noch genießbar sind, und bewirtet Gäste,
die sich sonst keinen Restaurantbesuch leisten könnten. „Pay As You Feel“ heißt das Café, „Zahle, so viel du willst“. Mittlerweile gibt es allein in Leeds acht solcher Cafés, weitere in ganz England und auch einige in Australien und auf dem europäischen Festland. Die Initiative von Adam Smith hat zahlreiche Unterstützer und mehr als hundert Nachahmer gefunden.

In Leeds sind knapp ein Viertel der 475.000 Einwohner auf Lebensmittel von Hilfsorganisationen angewiesen. Hier hat Smith ein weiteres Projekt etabliert: „Fuel for School“, „Nahrung für Schulen“. Er habe davon erfahren, dass unzählige Kinder hungrig zur Schule gehen, sagte der Brite in einem Interview. Ziel des Schulprojekts ist es, Kindern genug Essen zu geben, damit sie sich aufs Lernen konzentrieren können. Gleichzeitig erfahren Mädchen und Jungen in Kochstunden Wissenswertes über Ernährung. „Ernährungserziehung an der Wurzel anzugehen, ist ein nachhaltiger Ansatz, um einen konsequenten Wandel innerhalb der Lebensmittelindustrie zu bewirken“, sagt Smith. Ihm geht es darum, nicht nur arme Menschen aus Leeds zu ernähren, sondern die ganze Welt – ein anderer Blick von Industrie und Gesellschaft auf Lebensmittel wäre da schon ein guter erster Schritt.