Eben mal die Welt retten…

Jorma Görns und Simon Lange sind zwei junge Kerle, die sich Gedanken über ihre Umwelt machen. Als Oberstufenschüler haben sie eine Kleinbiogasanlage entwickelt – ein mehrfach ausgezeichnetes Projekt. Die beiden 20­-Jährigen zeigen, dass jeder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.

Simon Lange (l) und Jorma Görns vom Gymnasium Altenholz posieren am 29.05.2016 nach der Verleihung der GreenTec Awards in München (Bayern) mit dem Preis in der Kategorie WWF Galileo Green Youngster Award. Europas größter Umwelt- und Wirtschaftspreis wird einmal jährlich im Rahmen einer Gala mit zahlreichen geladenen Gästen und Pressevertretern verliehen. Foto: Ursula Düren/dpa | Verwendung weltweit
Energie aus Essensresten: Simon Lange (links) und Jorma Görns haben für die Cafeteria ihrer Schule eine Kleinbiogas­anlage entwickelt. Das Projekt der Tüftler wurde mit dem Nachwuchs­Sonderpreis der GreenTec Awards 2016 geehrt.

Wenn Simon Lange von der Biogasanlage erzählt, die er und Jorma Görns an ihrem Gymnasium in Altenholz gebaut haben, klingt das so selbstverständlich. Und das ist es für die jungen Tüftler auch, die nicht nur ein Talent fürs Technische haben, sondern ebenso ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Gemeinsam haben sie etwas erschaffen, das zumindest an ihrer Schule einen nachhaltigen Effekt hat. Doch dazu später mehr.

Etwa zwei Jahre ist es her, dass Görns den Professor Thomas Henry Culhane kennenlernte. Dieser hat bereits viele Menschen in ärmeren Gebieten dieser Erde dabei unterstützt, die zum Kochen benötigte Energie selbst zu erzeugen – und dabei gleichzeitig ihren Biomüll zu entsorgen. Eineinhalb Wochen lang baute Görns zusammen mit ihm Biogasanlagen in Brasilien.

Bakterien zersetzen Essensreste
Zurück in Altenholz bei Kiel, entwickelte er zusammen mit seinem Schulfreund Simon Lange eine Biogasanlage für ihr Gymnasium, um die Essensreste der Cafeteria in Energie umwandeln zu können: Sie besorgten sich von einem Landwirt einen ausgedienten Container, dichteten ihn mit Dämmwolle ab und verkleideten ihn mit Holzpaneelen. In den Behälter füllten sie 100 Liter Gülle und 900 Liter Wasser. „Der Aufbau ist ganz einfach“, sagt Lange.

Werden nun zerkleinerte Essensreste durch ein Rohr im Deckel gegeben, verwerten Bakterien aus der Gülle sie und in mehreren Schritten entsteht Methangas. Noch gibt es keine genauen Zahlen, aber vergleichbare Anlagen erzeugen genug Gas, um beispielsweise sechs Stunden lang kochen zu können. „Wir wollten eine Anlage bauen, die nicht nur einen ökologischen Zweck erfüllt, sondern die selbst ökologisch ist“, sagt Lange. Die Sensoren der Messstation stammen daher von einem ausrangierten Laptop und der Kunststofftank, in den die Gülle gefüllt wird, ist gebraucht.

Für ihre Anlage haben Lange und Görns den Förderpreis im Bundesumweltwettbewerb 2014 erhalten sowie den Nachwuchs-Sonderpreis der GreenTec Awards 2016, der in Kooperation mit der Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) und dem ProSieben-Format „Galileo“ verliehen wurde.


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Mittlerweile studiert Lange Maschinenbau in Aachen, Görns geht demnächst mit einem Harvard-Stipendium in die USA und wird dort das gleiche Fach studieren. Für ihr Projekt haben die zwei daher Nachfolger angeworben, die ihre Arbeit an der Anlage fortführen. Außerdem soll die Messstation der Kleinbiogasanlage, die Lange und Görns selbst programmiert haben, Thema im Informatikunterricht am Gymnasium Altenholz werden. Die Reaktionen in der Gülle will der Bio-Unterricht näher betrachten.

Was zwei Schüler in ihrer Freizeit geschaffen haben, wird vielen anderen als Anschauungsmaterial dienen – und vielleicht als Inspiration für weitere nachhaltige Projekte. Denn Veränderungen zum Wohl des Klimas sind, so die Erfahrung der beiden, durchaus möglich.

Fotos: privat; Ursula Düren/picture alliance/dpa